Teile: 2056
Beleuchtung: Nein
Drucke: 28
Aufkleber: Keine
Minifiguren: 3
Eine Bibliothek als Modular Building - klar dass ich die haben muss.
Dieses Review wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erstellt.
Teil 1:
Die Bibliothek als Klemmbaustein-Set
Es ist ein Pantasy-Set, also: Super Steinequalität, Anleitung kein Problem, angenehmer Bau. Das Zusammenstecken der Bücher ist vielleicht ein bisschen repetitiv. Alles wunderbar - wie bisher bei allen Pantasy-Sets die ich in der Mache hatte. Einziger Unterschied: Ein Teil fehlte
Nur die Dächer sind abnehmbar, man kann nicht die einzelnen Etagen abnehmen. Statt dessen kann man eine ganze Wand als Tür öffnen und hat dann den Blick auf die Treppe: Auf der Rückseite gibt es oben eine kleine Klappe, die den Blick auf die obere Galerie freigibt, und eine herausziebare Wand mit Regal, die den Blick auf den Lesebereich ermöglicht: So sehr ich Pantasy auch schätze, und so lobenswert die Set-Idee an sich auch ist, gibt es dennoch einiges, was mir nicht so gefällt.
Das Set ist sehr "untersönnig", wie man in meiner Heimat sagt. Das Innere ist recht finster und kann nur an den drei Öffnungsstellen gut eingesehen werden. Auch die Dachöffnung hilft dem Eindruck nur teilweise ab. Die Fotos musste ich mit Blitz machen, damit man was erkennt. Eine Beleuchtung wäre definitiv hilfreich gewesen.
Zweiter Punkt ist die eingeschränkte Möglichkeit, die Figuren zu platzieren. Es gibt kaum offenen Noppen in, auf oder vor dem Gebäude. Nur in dem kleinen Bereich hinter der Servicetheke, wo die Bibliothekarin hinter ihrem Computerbildschirm angenoppt werden kann. Aber - und das finde ich jetzt doch ärgerlich - man kann die Figur nach dem Abschluss des Baues dort nicht mehr unterbringen, weil man durch keine der Öffnungen gut genug dran kommt. Sie muss während des Baus schon dort untergebracht werden und kommt dann nicht mehr weg
Die einzige andere vorgegebene Option ist, den Figuren ihre Sitzbeine zu verpassen und sie auf die Stühle am Lesesaaltisch zu setzen. Es ist natürlich möglich, aus dem eigenen Fundus Jumperplates oder normale Plates auf den Böden einzubauen, aber mal ehrlich: Warum gibt Pantasy den Figuren Stehbeine mit, ohne ihnen eine Möglichkeit des Annoppens im Set zu bieten?
Der Professor und die Studentin können zumindest zu Dekozwecken vorsichtig ins Gebäude gestellt werden und stehen ohne umzukippen - man darf halt nix bewegen und nirgendwo dranstoßen. Die Bibliothekarin jedoch wird vom Gewicht ihrer Pferdeschwanzfrisur gnadenlos nach hinten gezogen und kann nur dann stehen, wenn man sie irgendwo anlehnt.
Ansonsten: Nettes klassizistisches Gebäude. Bloß am Giebel ist mir ein bisschen viel Gedöns. Teil 2:
Das Klemmbausteinset als Bibliothek
Disclaimer: Ab hier wird's überkorrekt, albern und überflüssig
Was soll das für eine Bibliothek sein? Der Professor und die Studentin sollen wohl auf eine wissenschaftliche Bibliothek schließen lassen. Seltsamerweise sind die einzigen beiden gedruckten Buchcover Unterhaltungsliteratur: Sherlock Holmes und Harry Potter. Das wäre dann eher was für eine Öffentliche Bibliothek. Aber gut, wir wollen mal annehmen, dass der Etat für Primärliteratur hier für diese Art Quellenbeschaffung ausreicht. Beneidenswert.
Keine Signaturschilder auf den Büchern. Wie soll man da das gewünschte Buch finden?
Und überhaupt: Keine Kataloge? Weder altmodische Karteikästen noch die jetzt üblichen Benutzer-PCs zur OPAC-Nutzung? Offenbar muss jede Suche immer über die Bibliothekarin am Service-Point erfolgen, was datenschutzrechtlich mit Sicherheit nicht OK ist.
Kann natürlich sein dass man verpflichtend ein Smartphone und die Bibliotheksapp nutzen muss um Zugriff auf die Katalogdaten zu bekommen. Die Stadtnutzer werden ihnen die Hölle heiß machen, aber vielleicht handelt es sich ja hier um eine zugangsbeschränkte Spezialbibliothek. Mit Unterhaltungsliteratur.
Übrigens gibt Regalteile beim Treppen-Regalturm, an die kein Benutzer herabkommt. Weit und breit weder Leiter noch Elefantenfuß, was auf der Treppe eh zu gefährlich wäre. Keine Chance, an diese Bücher dranzukommen.
Aus den Bünden auf den Buchrücken könnte man schließen, dass es sich hier überwiegend um Bände bis etwa Erscheinungsjahr 1850 handelt, eher sogar älter. Solche Bestände gehören in geschütze Bereiche und sollten klimageschützt und unter Aufsicht genutzt werden. Noch schlimmer sind die zahlreich vertretenen grünen Einbände, die potenziell arsenbelastet sind (Schweinfurter Grün findet sich hier zwar vermutlich nicht im Schnitt, wohl aber im Einbandmaterial). Ich hoffe die Bibliothek hat schon Maßnahmen zur Separierung, Reinigung und Nutzung erarbeitet.
Dass alle Bände das gleiche Format und die gleiche Dicke haben scheint ungewöhnlich. Alles scheint Quartformat zu haben. Wo sind die Oktav- und Folioformate? Wo die Zeitschriftenbände? Die Zeitungsbände oder gar -Mikrofilme?
Das Gebäude ist aus bibiothekarischer Sicht eine Katastrophe, selbst wenn wir annehmen daß wir hier nur einen Teil der Bibliothek haben und der Rest im 60er-Jahre Klotzneubau nebenan untergebracht ist. Dort müssten sich dann die Verwaltung, die Medienbearbeitung, die Zeitschriften- und Handschriftenabteilung und die Bibliotheks-IT befinden, sofern die Bibliothek das Glück hat, über einen eigenen IT-Service zu verfügen. Außerdem natürlich die Poststelle, die Toiletten und die Schließfächer (die Garderobe wurde längst abgeschafft, ebenso wie die Cafeteria).
Aber selbst dann: Feuerlöscher? Rettungswege? Barrierefreie Zugänge? Heizung? Klimaanlage? Fehlanzeige.
Von der Straße kommend steht man (nach Eintritt durch den Haupteingang der kein Türblatt hat) direkt im Lesesaal? Keine Eingangskontrolle? Und obendrüber ein Kronleuchter mit stimmungsvollen aber gefährlichen Kerzen? Keine Sprinkleranlagen in Sicht?! Ranken die ganz offenbar unkontrolliert aus dem Mauerwerk wachsen?
Neeee. Kein BLB würde sowas zur Nutzung freigeben.